Just my two cents

18Aug/09

[USA Urlaub] Nachtrag – Alcatraz Erfahrungsbericht

Da ich selber an der Alcatraz-Führung nicht teilnahm, bat ich Petra um eine kleine Wiedergabe der Erlebnisse. Folgendes ist dabei rausgekommen. Danke Petra! Viel Spaß!

Endlich war der Tag gekommen und ich durfte den Boden von Alcatraz Island betreten. Lange habe ich mich schon darauf gefreut und nun war es soweit. Um 9:40 legte das Boot in Richtung Alcatraz ab und um 10:00 Uhr waren wir da.

Tausende Jahre lang war Alcatraz eine einsame Insel, die vermutlich nur selten von Indianern besucht wurde.

1854 ging der erste Leuchtturm an der pazifischen Küste auf Alcatraz in Betrieb.

1853 begann der Festungsbau auf Alcatraz. Da Alcatraz genau in der Linie der fahrenden Schiffe lag,  wurde der Standort als dritte kleine Festung angesehen.

Fast schon von Anfang an war Alcatraz ein Gefängnis. Im Jahr 1859 trafen mit der ersten permanenten Garnison der Festung auch 11 Soldaten ein, die zur Inhaftierung im Kellergeschoß des Sturmgangs bestimmt waren. Währen des Bürgerkriegs waren Soldaten, die wegen Desertierens, Diebstahl, Tätlichkeiten, Vergewaltigung und Mord verurteilt worden waren, Zivilisten, die des Verrates angeklagt waren, sowie die Mannschaft eines konföderierten Schiffes in Haft. Das Heer verwendete Alcatraz auch als Internierungslager für Indianer.

1907 wurde die Festung aufgegeben und die Armeetruppen wurden durch Soldaten der U.S. Militärwache ersetzt. Es wurde begonnen die Zitadellen abzureißen und ein riesiges Zellengebäude aus Beton wurde gebaut. 1915 erhielt Alcatraz die neue Bezeichnung kurz-US Strafkaserne.

Es dauerte nicht lange bis Wehrdienstverweigerer des 1. Weltkrieges zu den Insassen von Alcatraz dazu kamen.

Von den 1545 Männern, die ihre Strafe verbüßt haben trugen nur wenige berüchtigte Namen. Einer der mir bekanntesten war Al”Scarface”Carpone. Die meisten Insassen waren Männer, die sich in anderen Gefängnissen als Problemfälle erwiesen hatten—Unruhestifter und Ausbrecher.

Das Zellengebäude war nie voll belegt . Im Durchschnitt waren 260 Häftlinge untergebracht und es standen 336 renovierte Zellen zur Verfügung.

Es gab 5 Selbstmorde und 8 Morde auf Alcatraz.

Häftling blieben auf Alcatraz bis sie nicht mehr als störend oder unverbesserliche Elemente angesehen wurden (ca. 8-10 Jahre).

Wer gut über die Runden kommen wollte, musste sich an die Regeln halten. Ich glaube, es ist heute noch so.

Nr. 5 der Gefängnisregel lautet (Verordnung von 1934)

“Sie haben Anspruch auf Verpflegung, Kleidung, Unterbringung und Medizinische Versorgung. Alles andere sind Privilegien”

Auf Alcatraz hat es gutes Essen gegeben, dass auch ausgarniert wurde und das Gefängnis selbst war sauber. In den Filmen wurde Alcatraz zu einem Symbol der Schattenseite Amerikas.

Am Anfang stand die Kleiderkammer, da wurde Gefängniswäsche, Hygieneartikel, Kopfkissen und Decken ausgegeben. Danach waren Gemeinschaftsduschen in einer Doppelreihe aufgereiht (ca. 30) jede mit einem Stück “Kernseife” ausgestattet.

Die Zellentrakte waren noch sehr gut und anschaulich erhalten. Wir hatten einen Audio Guide, der uns super durch das Gefängnis geführt hat. Im Verhältnis zu unseren heutigen Justizvollzugsanstalten wurden die Gefangenen in "kleinen Löchern” (ca. 1,50m x 2,70m) untergebracht. Eine Toilette mit Bett und Stuhl und etwas was einem Tisch ähnelte. Erst später wurden die Zellen möbliert und die Gefangenen durften Radio hören (2 Sender). Neben der Gefängnisbücherei hatten privilegierte Gefangene die Möglichkeit Zeitschriften zu abonnieren.

Die Zellentrakte lagen sich gegenüber. Es gab 3 Stockwerke. Die Zellen waren vergittert und man konnte in die gegenüber liegende Zelle schauen. Eine Privatsphäre war nicht gegeben. Jeder konnte seinem Gegenüber beim Toilettengang zusehen und der ganze Trakt konnte es “hören”. Aber dieser Trakt war ja noch “gemütlich”, denn für die Unverbesserlichen und “Stinker” gab es Einzelhaft. Zellen, die kein Gegenüber hatten, keine Heizung , nur Fenster aus denen man den Wind heulen hören konnte. Es war kalt und es gab noch 3 “Einzelzellen” die kein Licht hatten. Man hat einfach  die Türen verschlossen, so dass absolute Dunkelheit herrschte. Bei diesem Gedanken an die Kälte die da geherrscht haben muss, wurde mir recht ungemütlich.

Das war es zu Alcatraz. Es gibt noch viel mehr zu schreiben, aber die Eindrücke die man vor Ort macht, kann man nicht wiedergeben. Es war super interessant und ich habe viel über das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis, welches 1963 aus Kostengründen geschlossen wurde erfahren. Der Besuch auf Alcatraz hat sich gelohnt und meine Vorfreude darauf wurde belohnt.

veröffentlicht unter: USA Kommentar schreiben
Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Hallo,

    schön auch mal solch einen Bericht zu lesen. Seit dem Film „Alcatraz“ bin ich fasziniert von dieser „Festung“. Leider habe ich auch schon andere Stimmen gehört, dass diese Führungen eher Langweilig und Abzocke wären.

    Aber dieser Bericht macht Freude auf einen Besuch!

    Gruß Markus

  2. Hallo,
    viele lassen sich von den Filmen über den „Knast“leiten und wollen „emotional dieses Gesehene“ auf Alcatraz nacherleben.
    Wie ich schon im Artikel geschrieben habe, war Alcatraz aber in Wirklichkeit ein ganz normales Gefängnis.
    Deshalb sind manche vom Besuch vielleicht auch enttäuscht gewesen ?!
    Klar ist man neugierig, gerade wegen den Filmen die es über dieses Gefängnis gab. Es hat schon so seinen Reiz. Aber wenn man da objektiv heran geht, wird es auch sehr interessant für einen werden.
    Übrigens sollte man vorbuchen, so HOLTER die POLTER auf die Insel kommen ist nicht so einfach.

    Gruß Petra


Leave a comment

Noch keine Trackbacks.